Author Topic: Transport-Module aus Ecoinvent richtig verwenden  (Read 8258 times)

Offline Lu

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Transport-Module aus Ecoinvent richtig verwenden
« on: December 16, 2012, 15:58 »
Hallo Forengemeinde,

da ich mich erst seit Kurzem mit Umberto befasse, hoffe ich, hier ein paar Antworten auf meine Frage zu finden.

Mein Problemstellung bezieht sich auf die richtige Verwendung eines Transport Moduls aus Ecoinvent in Umberto.

Kurz zu meinem Prozess.

Wie unten ersichtlich ist, wird zu Beginn Doppelwelle produziert, welche anschließend per LKW am Standort angeliefert werden soll. Dort erfolgt die Verpackung des Produkts.
Für den Transport habe ich aus der Result process library folgenden Prozess gewählt:
transport, lorry 3.5-16t, fleet average.

Mein Problem ist nun, dass ich nicht weiß, wie ich die produzierte Doppelwelle (0,34kg) über die Transition Transport und die darauffolgende Connection-Stelle in die Transition T1 bekomme.
Aus meinem Übungsbeispiel mit der Umberto Standard Library weiß ich, dass innerhalb "deren" Transport-Module der Input und Output "Transportgut" angegeben ist. Dies ist jedoch bei dem verwendeten Ecoinvent Modul nicht der Fall.

Anfangs dachte ich, es funktioniert, wenn ich innerhalb des Transport-Moduls einen Input und Output für die Doppelwelle hinzufüge und den Koeffizienten auf jeweils 1kg setze. Im anschließenden Pfeil zwischen T55 und P65 habe ich dann manuelle Flüsse für die jeweiligen tkm (0,000085tkm) des Transports und für das Gewicht der Doppelwelle (0,340kg) setzen wollen und gehofft, dass Umberto die Doppelwelle einfach durch die Transition T55 "hindurchschleift". Jedoch erhalte ich bei der Kalkulation des Netzwerks eine Fehlermeldung (Specification conflict occured. Transition calculation failed.).

Wo ist mein Fehler? Habe ich das Stoffstromnetz grundsätzlich falsch aufgebaut?

Bitte um Mithilfe!

Danke und Grüße
Lu






Offline pbeilschmidt

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Re: Transport-Module aus Ecoinvent richtig verwenden
« Reply #1 on: December 17, 2012, 14:27 »
Hallo Lu,

> Habe ich das Stoffstromnetz grundsätzlich falsch aufgebaut?

Nein. Bei den Stoffstromnetzen in Umberto gibt es unterschiedliche Weg zum Ziel zu kommen, und je nachdem wir man modelliert können die Netze unterschiedliche aufgebaut sein.

Die Transportprozesse in ecoinvent kann man sich wie Service-Prozesse vorstellen, die die Transportleistung als Output haben. Dieser Service-Output dient dann typischerweise als Input in einen "Bereitstellungsprozess". D.h. dass der nachfolgende Prozess (im Bild die T1 Verpacken) normalerweise den Transportleistungsinput parallel zum Materialinput (Wellpappe aus T13) hat. Das ist die Art und Weise wie in ecoinvent Modulen der Transport abgebildet wird. Ich nenne das "inputorientiert".

Die Transportmodule in der Umberto-Bibliothek hingegen sind - wie Sie selbst schon festgestellt haben - mit einem "Transportgut" versehen, die das transportierte Gut letzlich unverändert durch deb Prozess hindurchreichen, aber Dieselverbrauchs- und Emissionsberechnungen in abhängigkeit von der Menge (Gewicht/Masse) des transportierten Guts erlauben. Das ist eine mehr "flussorientierte" Art der Prozessbeschreibung.

Sie haben nun die Wahl, entweder den Output von T13 und von T55 parallel als Input in T1 zu führen, oder aber in der flussorientierten Denkweise die T55 in einen Prozess umzuwandeln, der die Transportleistung von einer neu anzulegenden ecoinvent Transition erhält

Im Fall 1 (inputorientiert) wäre die Prozessspezifikation T1 so zu definieren

Input:
produzierte Doppelwelle 0,34kg
transport, lorry 3.5-16t, fleet average 0,000085tkm
Verpackungsmaterial 0,xykg
Output:
produzierte Doppelwelle, verpackt (0,34+0,xy)kg

Im Fall 2 (flussorientiert) wäre die Prozessspezifikation T55 z.B. so zu definieren
Input:
Generic [Transportgut] 1000 kg
transport, lorry 3.5-16t, fleet average Z tkm (mit Z = Anzahl Kilometer Fahrtstrecke)
Output:
Generic [Transportgut] 1000 kg

der Output Flow ist dann oben bei T1 der Verpackungsinput zur Welle
Input:
produzierte Doppelwelle 0,34kg
Verpackungsmaterial 0,xykg
Output:
produzierte Doppelwelle, verpackt (0,34+0,xy)kg

Beides hat seine Vor- und Nachteile, und im Falle der Nutzung von ecoinvent-Modulen ist der Fall 2 etwas aufwändiger weil eine zusätzlich Transition gesetzt wird. Sie erlaubt aber natürlich eine gute Parametrisierung (auch in Abhängigkeit von der transportierten Menge). Ist vermutlich Geschmackssache, und ob man in seinen Modellen eher "flußorientiert" denkt oder "inputorientiert".

NB: Eine ähnliche Frage kann man sich übrigens auch im Zusammehang mit Abfall- oder Abwasserbehandlungsprozessen stellen. Bei ecoinvent ist "treatment of waste waster (m3)" ein Input-Fluss in den Produktions-Prozess, der das Abwasser verursacht, weil das Abwasser gereinigt werden muss. In der fluissorintierten Denkweise wird das Abwasser als Output aus dem Produktionsprozess in eine Kläranlange geleitet, und dort gereinigt.
 
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Peter Müller-Beilschmidt
myUmberto Moderator
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Offline Lu

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Re: Transport-Module aus Ecoinvent richtig verwenden
« Reply #2 on: December 19, 2012, 14:03 »
Sehr geehrter Herr Beilschmidt,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort und die Erläuterung der Unterschiede zwischen den beiden Systemen hinsichtlich der Modellierung.

Trotz der eher inputorientierten Ausrichtung der Ecoinvent-Module würde ich unser Netz gerne flussorientiert aufbauen.

Dazu habe ich das Netz Ihrer Anweisung entsprechend umgestaltet (siehe Stoffstrommodell unten).
Des Weiteren habe ich in Materials das "Material" Generic (Transportgut) angelegt.
Im anderen Bild ist die Angabe der Inputs und Outputs innerhlab der Transition T55 zu sehen.

Was ich jedoch nicht ganz verstehe ist Ihre Aussage:

der Output Flow ist dann oben bei T1 der Verpackungsinput zur Welle
Input:
produzierte Doppelwelle 0,34kg
Verpackungsmaterial 0,xykg
Output:
produzierte Doppelwelle, verpackt (0,34+0,xy)kg


Da ich hinter dieser Angabe den Schlüssel für die richtige Berechnung vermute bitte ich um eine erneute Erklärung.

Zusätzlich tun sich folgende Fragen auf:

Wo genau muss ich den manuellen Fluss für die produzierte Doppelwelle (0,34 kg) und den

transportort, lorry 3.5....0.00136 tkm (0.000085 tkm war falsch, es sind 0.34 kg über 4 km) setzen?

Was bedeutet Z tkm? Innerhalb von tkm sind die km ja schon angegeben?

transport, lorry 3.5-16t, fleet average Z tkm (mit Z = Anzahl Kilometer Fahrtstrecke)

Wie entsteht über Generic [Transportgut] 1000 kg die Verknüpfung zur Doppelwelle?

Ich nehme an, wenn ich das ganze Netz flussorientiert aufbauen will, muss ich für jeden Prozess eine zusätzliche Transition hinzuschalten?




 
Angaben in T55:


Vielen Dank vorab!

Beste Grüße

Lu

Offline Lu

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Re: Transport-Module aus Ecoinvent richtig verwenden
« Reply #3 on: December 19, 2012, 17:44 »
So,

ich denke nun die Lösung gefunden zu haben :D.

Wie schon erwähnt habe ich das Stoffstrommodell ihrer Beschreibung angepasst.
Innerhalb von T:55 habe ich folgende Werte eingesetzt:

Input:
Transport LKW 3.5.... 0.004 tkm
Wellkarton Recyling... 1 kg

Output:
Wellkarton Recycling 1 kg

Wenn ich nun auf dem Pfeil zwischen P65 und T1 den manuellen Fluss für den Wellkarton für die gewünschte Menge (in unserem Fall 0.34 kg) eingebe, berechnet Umberto die richtigen Werte.

Z tkm sollte also den Umrechnungsfaktor darstellen, den man benötigt um die Menge Wellkarton 4 km weit zu befördern.
transport, lorry 3.5-16t, fleet average Z tkm (mit Z = Anzahl Kilometer Fahrtstrecke)

Darauf bin ich leider am Anfang nicht gekommen, weil ich den falschen Denkansatz hatte und dachte, man müsste den manuellen Fluss für den Wellkarton UND den Transport setzen. Jedoch soll ja in T1 nur der Wellkarton ankommen.  :-\

Trotzdem wollte ich fragen, ob mit Generic [Transportgut] der Wellkarton gemeint war und dies nur die allgemeine Bezeichnung für einen Platzhalter ist, oder ob sich dahinter ein "zu definierendes Material" verbirgt?

Danke vorab!

Frohe Weihnachten!

Offline pbeilschmidt

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Re: Transport-Module aus Ecoinvent richtig verwenden
« Reply #4 on: December 21, 2012, 12:12 »
Hallo Lu,


Trotzdem wollte ich fragen, ob mit Generic [Transportgut] der Wellkarton gemeint war und dies nur die allgemeine Bezeichnung für einen Platzhalter ist, oder ob sich dahinter ein "zu definierendes Material" verbirgt?

Frohe Weihnachten!

Genau das meine ich. Das "Generische Material" ist ja im Unterschied zum "Spezifischen Materials" also zB "Wellpappe" so etwas wie ein Platzhalter oder "Dummy". Natürlich könnten Sie auch stattdessen konkret "Wellpappe" als Input/Output Flow anlegen, das würde genau so funktionieren. Ich verwende derartige Transport-Prozesse aber (via Speichern in die Library) gerne häufiger, und dann ist es oftmals so, dass in einem anderen Modell oder einem anderen Projekt, nicht mehr "Wellpappe" transportiert wird, sondern ein anderes Material.

Insofern ist die Lösung mit den Generic Materials ein wenig offener und flexibler.

Auch Ihnen scöne Feiertage!

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Peter Müller-Beilschmidt
myUmberto Moderator
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Offline jamuel

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Re: Transport-Module aus Ecoinvent richtig verwenden
« Reply #5 on: March 23, 2014, 14:53 »
Hallo Umberto Forum,
bezgl. des Transportmoduls würde mich interessieren wie lehrfahrten modelliert werden können, das Transportgewicht mit  0kg definieren wird wohl nicht funktionierien. Habe es momentan so gelöst (da es sich um eine voll Hinfahrt und eine leere Rückfahrt handelt) das Gwicht halbiert und auf die ganze Strecke bezogen, allerdings finde ich diesen Weg nicht besonders elegeant. Gibt es Tipps dazu?